Wissenschaftliche Fachtagung, 07.-09.10.2021

NDR, Nordmagazin: Tagung diskutiert kirchliche Bestattung für Haustiere (08.10.2021)

Das Aufmerksamkeitsniveau für die tierlichen Belange und die menschlichen Bezüge zum tierlichen Leben ist deutlich gestiegen. In deutschen Haushalten leben derzeit etwa 35 Mio. Haustiere unterschiedlichster Arten. Im Vergleich zu 2016 wuchs die Haustierzahl unter deutschen Dächern um rund 3,3 Millionen Tiere an. Der lebensräumliche Nahbereich wird also mehr und mehr tierisch besetzt. Und je älter der Mensch wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass er sich ein Haustier hält. Die Frage nach Mensch-Tier-Bestattungen ist zwar innerhalb der Sepulkralkultur eher ein Nischenthema, aber sie berührt ganz grundsätzliche Probleme und Entwicklungen.

Alle Beiträge der Tagung haben betont, dass die humane Bestattungskultur die Kontrastfolie und das kulturelle Leitbild für die Tierbestattungen abgibt. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in den bestattungsrechtlichen Regelungen. Die soziologisch nach wie vor bestehenden Vorbehalte gegen eine zu große nachtodliche Nähe zwischen Mensch und Tier werden vermutlich durch vorbewusste und darum kaum kommunizierbare Reinheitsvorstellungen mitbestimmt. In Deutschland ist das Begehren, sein Companion-animal bestatten zu lassen, sicher auch beeinflusst durch starke kulturelle Vorbilder. So haben z. B. Friedrich der Große und Bismarck ihre Hunde würdevoll bestatten lassen.

An der Trauer des Menschen über den Tod des Haustieres ändert auch die parasoziale Form der praemortalen Beziehung nichts. Empirische Untersuchungen legen eher den Schluss nahe, dass das Wissen um die Einseitigkeit der Beziehung und die bleibende Unschuld des Tieres, das von seinem Sterbenmüssen ja nichts weiß, die Trauer noch untröstlicher macht. Zumal sich in die Trauer immer auch Schuldgefühle mischen, weil zumeist ja der trauernde Tierhalter sein Tier hat „einschläfern“ lassen.

Die Kirche kann im Bereich der Tierbestattung sicher mehr machen, als sie bislang tut, auch wenn sie nicht zwingend alles machen muss, was denkbar ist.

- Prof. Dr. Thomas Klie

Weiterführende Informationen: www.bestattungskultur.uni-rostock.de