MEMENTO

Aktueller Hinweis: Die Sonderausstellung 'MEMENTO' kann nun auch in einem virtuellen Rundgang besucht und erkundet werden. Bis Ende November kostenfrei – anschließend (inkl. Dauerausstellung) für ein Eintrittsgeld von 4 Euro.

Hier geht es zur virtuellen Ausstellung: https://www.sepulkralmuseum.de/ausstellungen/sonderausstellungen/3d-memento--im-kraftfeld-der-erinnerungen

 

Eine Ausstellung zu individuellen Formen des Erinnerns und Gedenkens

Das Museum für Sepulkralkultur widmet sich in der Ausstellung „MEMENTO – Im Kraftfeld der Erinnerungen“ mit einer Auswahl von internationalen zeitgenössischen Kunstwerken und kulturhistorischen Zeugnissen individuellen Formen des Erinnerns und Gedenkens. Der Titel verweist zugleich auf die anziehende und abstoßende Wirkung von Erinnerungen an Menschen und Erlebnisse, die im Strom der Zeit verloren gingen. Die Anziehungskraft von Gedanken an das Vergangene und von Erinnerungsbildern, die aufgrund ihres schmerzhaft psychischen und emotionalen Potenzials häufig auch mit inneren Abwehrmechanismen einhergehen können, lässt Menschen ihre präsente Gegenwart – das Hier und Jetzt – verlassen. Dies kann eine Flucht vor aktuellen Lebenssituationen sein, doch bietet es im Rahmen von Trauerarbeit zugleich einen Schlüssel, um nach einem schweren Verlust in ein bewusstes und präsentes Leben zurückkehren zu können.

Nachdem die Ausstellung LAMENTO – Trauer und Tränen (11/2019 – 03/2020) im Museum für Sepulkralkultur dem Phänomen des Weinens und den unmittelbaren Affekten und Emotionen, die der Tod eines nahen Menschen auslöst, gewidmet war, wird sich die inhaltlich anschließende Ausstellung MEMENTO – Im Kraftfeld der Erinnerungen mit unterschiedlichsten Formen des individuellen Erinnerns und Gedenkens an Verstorbene auseinandersetzen.

Im Kraftfeld der Erinnerungen

Die Art und Weise, wie Menschen den Verlust von vertrauten und geliebten Personen verarbeiten und darin ihre emotionale Betroffenheit zum Ausdruck bringen, wird neben kulturellen Traditionen, ideologischen und gesellschaftlichen Werten oder kollektivem Geschichtsbewusstsein maßgeblich von individuellen Wesenszügen und von den jeweiligen Lebenssituationen geprägt. Erinnerungen unterliegen – je nach Situation und Lebensphase – einem stetigen Wandel, der ihre Bedeutungen und auch ihren Sinn umfasst. Viele Menschen suchen daher eine persönliche Sprache und Form der Vergegenwärtigung des Vergangenen, indem sie Erinnerungen in sinnliche erlebbare Handlungen transformieren oder persönliche Hinterlassenschaften als plastische Erinnerungsträger sorgsam aufbewahren. Feierlich, traurig, lamentierend und klagend, laut und extrovertiert, tänzerisch, im Stillen oder in Form von rituellen Handlungen erinnern und gedenken Angehörige und Freunde*innen ihren Verstorbenen und reaktivieren über das Erinnern die Vergangenheit in der Gegenwart. Aktives Erinnern und Gedenken vergegenwärtigt wiederholt und dauerhaft, wer und was in einer familiären, sozialen, religiösen oder nationalen/ethnischen Gemeinschaft nicht in Vergessenheit geraten soll.

Der Tod eines vertrauten Menschen und die damit untrennbar verbundene Performanz von memorialen Praktiken waren und sind fortwährend Anlass kultureller Produktion in Form von individuellen Ritualen, wie etwa dem Besuch persönlicher Gedenkorte, dem Verwahren von Hinterlassenschaften oder dem jährlichen Erinnern an Todestagen. Individuelle memoriale Handlungen begleiten, animieren und ermöglichen den persönlichen Prozess des Erinnerns und integrieren diesen in unser Leben, das nach einer Verlusterfahrung wieder in ruhige Bahnen gelenkt werden möchte.

Literatur, Musik und die Bildenden Künste können durch Bild- und Schriftwerke oder durch Kompositionen Erinnerungen in ästhetische Formate transformieren. Diese können einerseits selbst Erinnerungsarbeit sein und diese im Werk nachvollziehbar machen und andererseits das motivierende Potenzial in sich tragen, selbst persönliche memoriale Formen zu entwickeln.

Die Dialoge zwischen internationalen künstlerischen Werken in den Medien Fotografie, Video/Film, Skulptur, Installation, Grafik und Performance und kulturhistorischen Objekten aus der Sammlung des Museums, entfalten einen kulturhistorischen Referenzraum für die zeitgenössische Kunst, die poetische Trägerin von subjektiven Erinnerungen ist. Neben historischen Zeugnissen und künstlerischen Werken werden wir ausgewählte virtuelle Erinnerungsformate wie Trauerforen im Internet, Erinnerungsvideos auf YouTube und interaktive Webseiten, die individuelle Erinnerungsprozesse initiieren und begleiten, vorstellen. Des Weiteren informieren wir über die Pilotstudie „Familienhörbuch“ des Universitätsklinikums Bonn, die schwer erkrankten Eltern die Möglichkeit gibt, ihre ganz persönliche Lebensgeschichte für Kinder und Angehörige in einem Tonstudio mit einer Hörfunkjournalistin aufzuzeichnen.

Künstler*innen: Christian Boltanski (F) | Karolin Bräg (D) | Sofia Hultén (SE) | Andrew Kotting (GB) | Karsten Krause (D) | Lucy Powell (GB) | Maud Quaedvlieg (NL) | Tina Ruisinger (CH) | Jaan Toomik (ES) | Timm Ulrichs (D) | Catrine Val (D) | Lorenz Widmaier (D) | Dorothee von Windheim (D)

PROJEKTE: Familienhörbuch, Judith Grümmer (D)Dear Photograph, Taylor Jones (CA)Rest in Vinyl / Andvinyly, Jason Leach (GB)Memorabilia, Museum für Sepulkralkultur

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