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Trauer nach Corona

Aktueller Hinweis: In der Frühlingsausgabe 2021 der 'Stiftungswelt' spricht unser Kulturbeauftragter, Dr. Simon J. Walter, ab Seite 36 im Interview über die Pandemie als Ausnahmesituation der Trauer.

Die Corona-Krise bedeutet einen so unmittelbaren und radikalen Einschnitt in unserem Leben, wie ihn wohl nur die wenigsten schon einmal erfahren haben. Tatsächlich ist der latente Zustand der Anspannung und Ungewissheit, der uns im Alltag begleitet und der die Nachrichtenlage prägt, für uns alle neu. Die Krise ist jetzt schon (ganz unabhängig davon, wie lange sie noch anhalten wird) als epochemachendes Ereignis in unser kollektives Bewusstsein eingegangen. Auf absehbare Zeit werden wir unterscheiden zwischen dem Leben vor und dem Leben nach Corona.

Erschwerter Trauerprozess

Corona bedeutet auch eine Ausnahmesituation der Trauer. Auf der einen Seite sind Beisetzungen und Trauerfeiern von den strikten Kontaktbeschränkungen in Phasen des Lockdowns betroffen. Auf Selbstverständlichkeiten wie das gegenseitige Umarmen, das tröstende Beisammensein während der Trauerfeier und das anschließende Zusammensitzen mit Familie und Freunden muss verzichtet werden. Die Angehörigen sehen sich in ihrer Trauer umso härter mit der behördlich verordneten sozialen Isolation konfrontiert. Vielfach wird der Trauerprozess auch dadurch erschwert, dass Familie und Freunde die Sterbenden nicht – oder nur stark eingeschränkt – begleiten dürfen. Jeder Trauerfall unter Coronabedingungen stellt eine emotionale Zumutung für die Angehörigen dar.

Weltgemeinschaft ohne Stimme

Auf der anderen Seite hat unsere Gesellschaft und hat auch die Weltgemeinschaft noch keine Stimme gefunden, um die Opfer der Pandemie zu betrauern. Längst haben wir uns an die immer steigenden Sterbezahlen in Nachrichtensendungen und -tickern gewöhnt. Die erschreckenden Ziffern aus dem In- und Ausland haben wir völlig abstrahiert, wie wir es etwa auch mit den Opfern von Krieg oder Naturkatastrophen zu tun gewohnt sind, die fortlaufend über unsere Fernseh- und Handybildschirme flimmern. Das an jedem Verstorbenen Angehörige hängen, die einen geliebten Menschen betrauern, wird beinahe vollkommen ausgeblendet. Ausdrücklich begrüßen wir deshalb den Einsatz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der seit Januar 2021 zum Gedenken an die in der Pandemie Verstorbenen aufruft und den staatlichen Gedenkakt am 18. April 2021 initiiert hat.

Räume für die Trauer

Wir möchten der Trauer unter Coronabedingungen neue Räume schaffen. In diesem Sinne setzen wir als Stiftung uns für einen breiten öffentlichen Dialog über die Herausforderungen ein, die Corona für unsere Bestattungs- und Trauerkultur bedeutet. Die Würde der Verstorbenen und die Bedürfnisse der Angehörigen stehen dabei für uns im Mittelpunkt. Wir unterstützen namentlich unsere Förderpartner an der Universität Bonn in ihren Bemühungen, den Komplex Corona und Trauer nachhaltig zu durchdenken und dem Thema die gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ausgangspunkt dafür ist der Arbeitskreis Trauer und Corona. Außerdem haben wir den Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes bei der Erstellung der Broschüre Corona: Bestattung in Zeiten der Pandemie, die im März 2021 erschienen ist, fachlich begleitet.