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Trauer nach Corona

Die Corona-Krise bedeutet einen so unmittelbaren und radikalen Einschnitt in unserem Leben, wie ihn wohl nur die wenigsten schon einmal erfahren haben. Tatsächlich ist der latente Zustand der Anspannung und Ungewissheit, der uns im Alltag begleitet und der die Nachrichtenlage prägt, für uns alle neu. Die Krise ist jetzt schon (ganz unabhängig davon, wie lange sie noch anhalten wird) als epochemachendes Ereignis in unser kollektives Bewusstsein eingegangen. Auf absehbare Zeit werden wir unterscheiden zwischen dem Leben vor und dem Leben nach Corona.

Erschwerter Trauerprozess

Corona bedeutet auch eine Ausnahmesituation der Trauer. Auf der einen Seite waren Beisetzungen und Trauerfeiern von den strikten Kontaktbeschränkungen während des bundesweiten Lockdowns im Frühjahr betroffen. Auf Selbstverständlichkeiten wie das gegenseitige Umarmen, das tröstende Beisammensein während der Trauerfeier und das anschließende Zusammensitzen mit Familie und Freunden musste verzichtet werden. Die Angehörigen sahen sich in ihrer Trauer umso härter mit der behördlich verordneten sozialen Isolation konfrontiert. Vielfach wurde (und wird) der Trauerprozess auch dadurch erschwert, dass Familie und Freunde die Sterbenden nicht – oder nur stark eingeschränkt – begleiten durften. Bis heute stellt jeder Trauerfall unter Coronabedingungen eine emotionale Zumutung für die Angehörigen dar.

Weltgemeinschaft ohne Stimme

Auf der anderen Seite hat unsere Gesellschaft und hat auch die Weltgemeinschaft noch keine Stimme gefunden, um die Opfer der Pandemie zu betrauern. Längst haben wir uns an die immer steigenden Sterbezahlen in Nachrichtensendungen und -tickern gewöhnt. Insbesondere die erschreckenden Ziffern aus dem europäischen Ausland und aus Übersee haben wir völlig abstrahiert, wie wir es etwa auch mit den Opfern von Krieg oder Naturkatastrophen zu tun gewohnt sind, die fortlaufend über unsere Fernseh- und Handybildschirme flimmern. Das an jedem Verstorbenen Angehörige hängen, die einen geliebten Menschen betrauern, wird beinahe vollkommen ausgeblendet.

Räume für die Trauer

Wir möchten über diese Missstände sprechen und der Trauer unter Coronabedingungen neue Räume schaffen. In diesem Sinne setzen wir als Stiftung uns für einen breiten öffentlichen Dialog über die Herausforderungen ein, die Corona für unsere Bestattungs- und Trauerkultur bedeutet. Die Würde der Verstorbenen und die Bedürfnisse der Angehörigen stehen dabei für uns im Mittelpunkt. Wir unterstützen namentlich unsere Förderpartner an der Universität Bonn in ihren Bemühungen, den Komplex Corona und Trauer nachhaltig zu durchdenken und dem Thema die gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ausgangspunkt dafür ist der Arbeitskreis 'Trauer und Corona'. Bei Fragen oder für weitere Informationen zum Arbeitskreis, kontaktieren Sie gerne direkt unsere Partner in Bonn. Außerdem arbeiten wir in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift bestattungskultur an einer gemeinsamen Broschüre, auf der wir einen breiteren Dialog aufbauen wollen. Die Veröffentlichung ist für das Frühjahr 2021 angedacht und wird natürlich zeitnah an dieser Stelle angezeigt.