Unter dem Titel Gedenken ohne Grenzen richtet das Institut für Bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München eine interdisziplinäre wissenschaftliche Tagung zu Memorialkulturen der Vormoderne zwischen Bayern und Italien aus, um den Umgang mit dem Tod in vergangenen Jahrhunderten besser zu verstehen. Die Tagung findet in Verbindung mit dem Römischen Institut der Görres-Gesellschaft am Campo Santo Teutonico in Rom statt.

Rom gilt bis heute als Inbegriff heiliger Personen und Orte – auch und gerade in Bayern. Als Zentrum der Christenheit ging von den heiligen Stätten seit jeher eine besondere Anziehungskraft aus. Die Tagung fragt gezielt nach der urbs aeterna und dem italienischen Raum als Sehnsuchtsort auf dem Weg zur Erlangung des Ewigen Lebens.

Konnte sich die Erforschung der Memoria in den vergangenen Jahrzehnten bereits als Schlüssel zur Lebenswelt der Vormoderne erweisen, so eröffnet die Lösung von geographischen oder territorialen Grenzen neuartige Perspektiven: Welche Alternativen zur Präsenz an den heiligen Stätten Roms und Italiens lassen sich in Bayern fassen? Welche Kraft ging damit von der Imagination eben dieser Orte aus? Welchen Wert maßen verschiedene gesellschaftliche Gruppen den heiligen Stätten für die Sorge um die Memoria bei und welche soziale Dynamik konnte diese dadurch entfalten?

In interdisziplinärer und epochenübergreifender Perspektive will die Tagung diesen Leitfragen nachgehen, um einen Beitrag zur Erforschung der genuin religiös konnotierten Memoria der Vormoderne und ihrer Implikationen hinsichtlich des europäischen Kulturtransfers zu leisten. Für ein möglichst facettenreiches Bild sollen personale Verbindungslinien genauso berücksichtigt werden wie bayerische Spuren an italienischen Memorialorten sowie in italienischen Memorialquellen. Genauso erweitern die Einflüsse der römischen Kurie sowie der heiligen Orte und Personen auf Bayern die Perspektive, um schließlich die wechselseitigen Verbindungslinien vormoderner Memorialkulturen nachzeichnen zu können.