Der Berliner Regisseur Raphael Schanz begleitet filmisch das Lebensende seiner Mutter – ein zutiefst persönlicher Kinodokumentarfilm über Abschied und Trauer. Über das Ringen mit der Endlichkeit und die Erkenntnis, dass im Sterben, bei aller Traurigkeit, auch eine stille Schönheit liegt.
Ein Jahr nach der Krebsdiagnose meiner Mutter fing ich an zu filmen. Unseren Alltag. Unsere Gespräche. Unseren Abschied. Die Kamera wurde Teil unserer kleinen Welt. Sie war mein Versuch zu verstehen und festzuhalten, was uns da geschieht.
Bei meinen Besuchen sprachen wir über den Tod, wir versuchten uns auf ihn vorzubereiten, wir versuchten ihm zu entgehen. Wir versuchten Normalität zu leben in einer unnormalen Situation. Wir scheiterten. Unsere kleine Welt bestand aus einem roten Sofa, aus Einkaufslisten, aus kurzen Spaziergängen.
Die Aufnahmen zeigen, wie meine Mutter kleiner wird, dünner, schwächer. Wie sie sich jeden Tag ein bisschen mehr auflöst. Wie sie am Leben festhält, wie sie schließlich Frieden mit dem Sterben findet. Es geht aber auch um den Raum zwischen uns. Ein Raum, der sich verändert, der enger wird, näher, und dann wieder ganz weit und verloren ist. Es geht um das, was unausgesprochen bleibt, und wie ich mich selbst in diesem Prozess verhalte, verstehe, verändere.
Über 100 Stunden Material zeigen die gesamte Absurdität, die Überforderung und Zuneigung, die Enge und Nähe, die Traurigkeit und Freude einer Mutter-Sohn-Beziehung in einer Ausnahmesituation. Im Schnittprozess soll daraus bis 2026 ein circa 90-minütiger Kinodokumentarfilm werden.
Über den Regisseur:
Raphael Schanz (*1989) ist Dokumentarfilmregisseur und Produzent in Berlin. Er ist Mitbegründer der Produktionsfirma panther reh und realisierte mehrere dokumentarische Kurzfilme. Thematisch setzt er sich viel mit Tod, Trauer und Erinnerung auseinander – so etwa in seinem Film Alleingang über das einsame Sterben in Berlin, der auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis seine Premiere feierte. Neben seiner filmischen Arbeit engagiert er sich als ehrenamtlicher Sterbebegleiter bei einem Berliner Hospizdienst. Er ist Alumnus der Heinrich-Böll-Stiftung, Teil der Nachwuchsgruppe futurDOK der AG DOK und nahm an Programmen wie dok.art (HFF München) und Pitch_IT@Berlinale (Goethe-Institut) teil.
Kontakt: raphael@panther-reh.de

