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Arzt und Tod – Drei Perspektiven

Nach jahrzehntelanger Tabuisierung rücken die Themen Sterben und Tod wieder verstärkt in den gesellschaftlichen Diskurs. Eine Gesellschaft, ausgesetzt einer Pandemie, gegen die es mittlerweile eine Impfung, aber immer noch kein Heilmittel gibt, die zudem immer älter und damit kränker wird, beschäftigt sich zunehmend mit Intensiv- und Palliativmedizin, finanziert Hospize, führt Organspende- und Hirntoddebatten und setzt sich sowohl literarisch als auch in der bildenden Kunst mit Sterben und Tod auseinander. Die Deutungshoheit liegt dabei heute weitgehend in den Händen der Medizin. Das war nicht immer so: Wenn Geschichte und Kunstgeschichte diese Thematik aufgreifen, lassen sich doch sehr gut der Wandel der Medizin und die Rolle des Arztes, die Flüchtigkeit eines Lebens sowie die soziale Konstruktion des Blicks auf das Sterben und den Tod herausarbeiten und in eine zeitliche Perspektive setzen.

"Die Jahre 2020/21 bedeuten eine Zäsur für den gesellschaftlichen Umgang mit Sterben und Tod. Die Corona-Pandemie holte den Tod aus seinem Versteck und ließ ihn über die tägliche Dokumentation von Infektionszahlen und Sterbefällen zu einer ständig aktualisierten Neuigkeit werden. Die direkten Berührungspunkte mit ihm aber liegen in den Händen der Medizin: Virologen, Immunologen, Intensivmediziner und -pfleger – sie sind die Gesichter der Pandemie. Dem war allerdings nicht immer so."

Prof. Dr. Jörg Vögele

Eine Wanderausstellung

Die Ausstellung Arzt und Tod – Drei Perspektiven stellt das historisch-kulturell geprägte Verhältnis von Arzt, Medizin und Tod im Wandel dar. Die Grafiken aus der Sammlung Mensch und Tod der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ermöglichen es, die in der bildenden Kunst vollzogene Entwicklung der Darstellungen zum Thema ‚Arzt und Tod‘ vom Spätmittelalter bis in die heutige Zeit zu verfolgen und damit einen Beitrag zur Geschichte der Wahrnehmung von Sterben und Tod zu leisten.

Der Arzt im Fokus

Der Arzt stellt die zentrale Figur in diesem Geschehen dar. Sein Verhältnis zu Krankheit, Patient und Tod ist komplex und war einem grundlegenden Wandel unterworfen. Einerseits agiert er in einem gegebenen Krankheitspanorama, das den Handlungsrahmen setzt und von der Medizin beeinflusst wird; andererseits unterliegt er einem zeitgenössischen Verständnis von Krankheit, Gesundheit und ärztlichem Handeln und ist zudem angehalten und auch (selbst-)verpflichtet, unzeitige Sterbefälle wenn möglich zu verhindern. Mit der Etablierung der modernen naturwissenschaftlich orientierten Medizin im 19. Jahrhundert drang das Streben nach Gesundheit nahezu in alle Lebensbereiche ein. Ärzte wurden zu ständigen Begleitern und ihre Selbsteinschätzung wandelte sich vom ‚Diener der Natur‘ schließlich endgültig zum Herrscher über sie.

Drei Themenfelder

Durch die Verdrängung des Todes aus dem Alltag wurde das Sterben immer stärker professionell begleitet. In einer säkularisierten Welt schließlich rückte der spirituelle Beistand vermehrt in den Hintergrund, und der Arzt wurde zur letzten Instanz.

Die Ausstellung Arzt und Tod thematisiert die Begegnung von Arzt und Tod in ihren vielfältigen Schattierungen, die vom Kampf des Arztes mit dem Tod über ihre Komplizenschaft, bis schließlich hin zum Arzt als Opfer des Tods reichen. Dabei werden drei Themenfelder unterschieden: (1.) die Darstellung des Arztes, (2.) das ärztliche Handeln und (3.) das Verhältnis von Arzt und Patient.

Kontakt

Arzt und Tod – Drei Perspektiven wurde von einem Projektteam der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf konzipiert und erarbeitet. Grundlage ist die umfangreiche Graphiksammlung Mensch und Tod am dortigen Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin. Federführend waren Prof. Dr. Jörg Vögele und Luisa Rittershaus M. A. Fragen zur Ausstellung oder rund um die Graphiksammlung können Sie gerne per E-Mail direkt an das Projektteam richten.

Details und Modalitäten zum Verleih der Ausstellung finden Sie unter diesem Link.